Die
Leipziger Drum&Bass- und Jungle-Szene kann mittlerweile auf eine fast 10jährige
Geschichte zurückschauen.
Bis auf ein paar Ausnahmen spielte sich das Geschehen aber weniger im produzierenden
Bereich als vielmehr auf zahlreichen Parties und Konzerten ab.
Where to go - Clubs und Crews
Derzeit gibt es in Leipzig drei regelmäßige Anlaufstellen in Sachen
Drum&Bass: Das Conne Island, der Friday Club in der Distillery und die Crowd
Control-Parties.
Das Conne Island
existiert als antifaschistisches selbstverwaltetes Jugendzentrum seit nunmehr
13 Jahren. Das Programm beinhaltet Konzerte verschiedener Genres, angefangen vom
Hardcore über (Oi-)Punk, Pop, Techno, Reggae, Dub, Hip Hop bis eben hin zu
Drum&Bass und Jungle. Das Conne Island war der erste und lange Zeit der einzige
Leipziger Club, der ernstzunehmende Drum&Bass-Parties organisierte. Durch
die Größe der Location, eine Halle mit einem Fassungsvermögen
bis zu 1000 Gästen, und der Programmstruktur sind die Parties One-Offs, die
trotzdem in einem fast monatlichen Rhythmus stattfinden.
Meist wird ein bekannter Headliner gebucht und zwei oder drei lokale oder regionale
DJs als Support. In früheren Zeiten waren das Gäste wie 4 Hero, General
Levy & M- Beat, Shy FX, Dom&Roland, Ed Rush, Kemistry&Storm, Bailey
oder Future Forces Inc., die in zunehmenden Maße immer mehr Leute in die
Koburger Straße lockten. Vor allen Dingen bei den vier letztgenannten Acts
war die Location jeweils bis zum Anschlag gefüllt, und es wurde mehr als
eine Gänsehaut gezählt. In den Jahren nach dem großen Presse-Hype
von Drum&Bass (1998-2001) ließ die Begeisterung keinesfalls nach, im
Gegenteil, Acts wie Krust&MC Dynamite, Bailey, Kemistry&Storm, Doc Scott
oder Marcus Intalex rockten die Location gnadenlos in Grund und Boden.
Weiterhin wurde mit der mittlerweile wieder eingestellten Breaks.org-Veranstaltungsreihe
ein Konzept geschaffen, die lokale DJ-Gilde vermehrt in den Vordergrund zu positionieren
und das Netzwerk in der Stadt zu stärken. Auch diese Parties waren ein voller
Erfolg, keinen ungeringen Anteil daran hatten die zu jeder Party entsprechenden
Tapes, die auf 04277 Tapes/Velocity
Sounds Records erschienen. In den letzten Jahren etablierten sich zunehmends
weitere Veranstaltungen in Leipzig, so dass das Conne Island nicht mehr auf solch
beeindruckende Besucherzahlen wie in früheren Jahren blicken kann, aber mit
Bookings wie High Contrast&Marcus Intalex, Mathematics, Simon Bassline Smith,
Flight, Storm, London Electricity (Live!) oder DJ Lee immer noch Akzente setzt
und auf eine feste Anhängerschaft bauen kann.
Einer der Clubs der neueren Zeit ist der Friday Club in der Distillery,
der seit Januar 2001 existiert und mittlerweile eine feste Größe im
Leipziger Nachtleben ist. Das Konzept existierte in ähnlicher Form bereits
in den Jahren 1997- 1999, als der Rhythm Club unter Urgestein Eiko Mertens, die
Stylewarz Crew (Booga, Wipe, Donis, Oppossum) und Ulan Bator jeden Freitag eine
musikalische Alternative zum Techno- und House-dominierten Samstag in Deutschlands
dienstältestem Techno-Club boten.
Das Programm des Friday Club stellt sich folgendermaßen dar: Der erste Freitag
im Monat wird von der Repertoire-Crew
organisiert. Diese ging aus den Initiatoren des gleichnamigen Breakzines hervor,
dass mehr als vier Jahre das Leipziger Breaks-Geschehen in schriftlicher Form
dokumentierte und in zahlreichen Leipziger Läden kostenlos erhältlich
war. Repertoire haben vier Stamm-DJs in Sachen Drum&Bass: CFM, Con.Struct,
Sketch und Francis. Dazu kommen noch Aktivisten in den Bereichen Deep House, Phusion,
Breaks, etc. Einer der führenden Köpfe der Crew, der aber selbst nicht
mehr auflegt, ist zweifellos Criticale. Die Veranstaltungen versuchen zumeist
einen Bogen zwischen verschiedenen Stilen zu spannen, bzw. Sparten von Drum&Bass
zu präsentieren, die im Party-Kontext oft untergehen. Bezeichnend dafür
ist ihre Gästewahl mit Acts wie Paradox (Live; unter Beteiligung von Breakbeat-Massaker
und LXC&Tantrum), Seba, Blame, Kabuki, Jazzanova, Volkov, Pentagon, Megashira,
Dublex Inc., LXC (Live), Flowpro u.v.m.
Den dritten Freitag teilen sich im monatlichen Wechsel die Cuba
Crew und Ulan Bator. Die Cuba Crew besteht aus den Routiniers Booga, Windy
und MC Amon sowie dem neuen Mitglied Soulslide. Windy's und Soulslide's Style
ist orientiert an liquid Tunes von Producern wie Calibre, Nu:Tone, M.I.S.T. oder
High Contrast ohne einige Smasher vermissen zu lassen, während Booga durchaus
für Metalheadz-Sound à la Digital&Spirit, Loxy&Ink oder Amit
zu haben ist. Die Palme im Symbol macht es aber deutlich, dass sie die Sonne auf
der Tanzfläche aufgehen lassen wollen, so dass Gäste wie Calibre, Nu:Tone,
Alley Cat, Marky&MC Stamina, Suv & MC Risky oder MB Valent perfekt ins
Konzept passten.
Ulan Bator ist die älteste Leipziger Crew, die 1995 mit den Mitgliedern
Derrick, Malcolm & MC Ramo, Framo und Snoopy erste Jungle-Sessions startete.
Die beiden letztgenannten haben mittlerweile die Platten an den Nagel gehangen,
während Malcolm fast ausschließlich Hip Hop aufgelegt. Derweil gesellten
sich in den letzten Jahren mit MC Phowa und Style Confusion neue Members hinzu,
die jetzt mit Derrick das Herzstück der Crew bilden. Die Ulan-Bator-Parties
sind sehr Jungle- und Jump-Up-lastig und haben bisher zahlreiche deutsche Acts
wie Tobestar, Bassline Generation, E-Decay, Demolition Rollers, X-Plorer, MTC
Yaw, Mr. Twister, Lightwood&Telmo A, MC Santana, MC Double J, MC Dragoon,
MC Killa Bee, u.v.m. gefeatured.
Rolling Sounds
existieren seit September 2000 und wurden von Remasuri und Dreas gegründet.
Im Laufe der Jahre kamen noch Full Contact und Zapotek hinzu, um das Quartett
zu komplettieren. Nach einem kurzen Intermezzo beim Friday Club gibt es seit September
2001 die "Crowd Control"-Parties, die seitdem im fast monatlichen Turnus
in verschiedenen Leipziger Clubs wie King King, Tangofabrik oder Bar International
stattfinden. Ihr Style ist weitgefächert, aber am Dancefloor orientiert,
wobei jeder DJ eine andere Vorliebe hat. Gäste waren bisher Metro & White
MC, X-Plorer, Ruffstuff, DJ Lee, D.Kay, Chopper, Lighta, Kabuki, Frankie Machine,
Apo 33, Real, Racoon, Lunatik&Sane, Fabman Flash, u.v.m.
In den letzten Jahren hat sich zunehmend eine Szene entwickelt, die abseits der
etablierten Clubs ausgiebig und mit großer Anhängerschaft Parties feiert.
In Locations wie der Gießerstraße
16, Zorro, Feinkost,
Elastic, UT Connewitz oder Zollschuppen wird in meist alternativerem Ambiente
Styles wie Breakcore, Drum&Bass oder Ragga Jungle gefröhnt. Crews und
Kollektive, die sich dabei besonders hervortun, sind der Feinkost 13 e.V., Protocut
mit ihren Strukturbruch-Parties und Da Switch.
Producer und weitere Artists
Produktionstechnisch ist Drum&Bass in Leipzig nicht sehr stark vertreten,
obwohl einige Projekte nicht unerwähnt bleiben sollten, bzw. bereits für
Aufsehen gesorgt haben. Die Protocut/Alphacut-Gilde um LXC,
Jakin Boaz und Tantrum hat auf "Alphacut"
bereits 3 Releases veröffentlicht, unter anderem mit Tunes von Cycom, LXC,
MZE oder Bad Matter.
Im Leipziger Presswerk Rand-Muzik auf Vinyl gebannt, erreichten die 12"s
jeweils eine große Anhängerschaft in der Szene. LXC releaste zudem
"The most important" auf Santorin Ltd, bzw. erhielt seit jeher gutes
Feedback von Santorin-Head DJ Lightwood. Zwei weitere Producer sind Barth und
Con.struct. Während
Barth es 2002 mit "Schizophrenic / Cyclotron" auf dem Hamburger Label
Plain Production
in die Charts von Bleed oder Phillip Maiburg schaffte und ein exzellentes Review
in der DeBug erhielt, wird Con.structs "I feel the earth move" demnächst
auf Paradox' Label "Outsider Rec." veröffentlicht.
Weitere DJs in der Stadt, die selbst keine eigene Veranstaltungsreihe am Laufen
halten, sind Dali (Knagge),
Lunatik&Sane, Fabman Flash (Break
Fiction), Phono&Echolot (Breakbeat
Massaker), Wax Worx & Norma Jean (O-Soto-Gari),
Mary Jane (Phono-Tone), Jay (Megajay) und der Neu-Leipziger Inju (Basstion).
Den Nu Skool-Breaks
hat sich besonders DJ Sencha aka Sascha Heyne verschrieben, der in unermüdlicher
Arbeit sein eigenes Portal Nuskoolbreaks.Net betreibt und von Zeit zu Zeit mit
der Repertoire-Crew Parties beim Friday Club mitorganisiert.
Leipzigs bekanntester VJ ist MFO,
der mittlerweile bei fast jeder Drum&Bass-Reihe der Stadt seine Visionen an
die Wände gebannt hat.
Leipzig Infos
Bis vor einem Jahr waren Breaks.org (Booga, Repertoire Crew, Echolot, MFO) und
Transit2Base (Fuel, Linuz & Dreas) die zwei wichtigsten Informationsplattformen,
was Drum&Bass und artverwandte Kultur in Leipzig anging. Mittlerweile wurden
beide Projekte eingestellt bzw. auf Eis gelegt; "Its
Yours!" hat sich aufgemacht, die Lücke zu füllen und der
Leipziger Szene eine Seite zu bieten, auf der verschiedene Veranstalter, Aktivisten
und andere Interessierte unabhängig und gleichberechtigt ihre Inhalte publizieren
können.
Text: Dreas (Oktober 2004)