Es hätte so gemütlich sein können: Mittwoch gediegen ins Harry
Klein gehen und um 90 Grad verdreht am nächsten Tag bis mindestens 16.00
ausschlafen. Der obligatorische Strich durch die Rechnung erfolgte erfahrungsgemäß
durch meinen Chef, der just an diesem Donnerstag jegliche Freinehm-Ambitionen
im Keim erstickte... Umzug mit dem Büro steht ja an. Und da muss alles ausgemessen,
die Teppiche zugeschnitten und die technisch infrastrukturellen Maßnahmen
vorgenommen werden. Also genau das Programm, dass man nicht von einem Mitarbeiter
erwarten kann, der zuvor willenlos gefeiert hat.
Gut, gehs'te um spätestens 03.00 Uhr wieder raus aus dem Harry, dachte ich
mir - ja, mit Betonung auf "denken"...
Erst um 01.00 Uhr lief ich dann dank maßlosen Bierkonsums meiner Alkoholfreunde,
die unbedingt noch das Bier, dann das Bier und dann noch das vorletzte..., tja,
... Zudem dann noch die lustigen Jungs und Mädelz aus der S-Bahn, die tatsächlich
nicht wussten, was denn Drum'n'Bass bitteschön sein soll - "Hihi, hörst
sich ja lustig an" - "Ja, bist ja auch blond...". Folgerichtig
verschlug's die Gruppe dann auch in die Milchbar..
Fünf Minuten Fußmarsch im Wolkenbruch später schwebtem dann auch
schon die ersten herzerwärmenden Bässe übers Optimol-Gelände
und wischten endgültig alle Bendenken ob einer möglichen Kündigung
hinweg. Ca. 20 Minuten nach Eintreten in die heiligen, dafür umso kleineren,
gemütlicheren und proppenvollen "Hallen" des Harry Kleins, kitzelte
dann auch schon Mr. Photek die ersten Frequenzen aus den Rillen, die die Welt
bedeuten.
Was da dann an Adrenalin und Endorphin durch den Raum schwirrte, lässt sich
nicht in Worte fassen. Klingt abgedroschen, war aber wirklich so. Bis auf die
notorischen Eckensteher, die ca. 10 Prozent der Besucher ausmachten, steppte alles
zur Snare auf 2 und 4. Bis auf den Niklas, der stilsicher im Renegade Hardware
T-Shirt auftauchte und sich erst bei der Metalheadz-Runde ab 3:30 Uhr ins Kreischen,
Grölen und Fiepen (jaha, tatsächlich auch Fiepen!) ins Geschehen einklinkte.
Will sagen: Der Herr Photek hat es tatsächlich geschafft, alle derzeitigen
Tendenzen von Drum'n'Bass in sein Set zu packen und den Bogen von Hospital über
Ebony zu Metalheadz zu spannen.
Um 4:15 hab ich mich dann entschlossen, meinem Chef 'ne SMS zu schreiben, mit
der Mitteilung, dass ich später komme. Genialer Schachzug! Schließlich
konnte man aus dem Vibe auch nicht raus, nachdem auch zu so später Stunde
die Tanzfläche noch von hinten bis vorne noch voll war.
Fazit: 7Ohm sind toll, das Harry und seine Anlage sind toll, Photek toll und Umziehen
scheisse... Mein Chef hat schließlich die SMS nicht gelesen und mich nach
knapp zweieinhalb Stunden Schlaf aus dem Bett geklingelt - wieso man unter der
Woche derartig feiern kann, hat er nicht verstanden. Alle die im Harry waren schon.
BO!
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