Bilder vom "Urban Art Forms Festival" findet
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Review von C-Wee
Location
Das Festivalgelände „Zipfer Zone Wiesen“ befindet sich in der
Nähe der schönen Gemeinde Wiesen, laut Eigenwerbung „Österreichs
größter Erdbeergemeinde“, im österreichischen Burgenland
gelegen (angeblich höchster Anteil an Sonnenscheintagen in ganz Österreich).
Übersetzen wir diese Werbung des örtlichen Tourismusverbandes: Landschaftlich
ist es zwar eine äusserst reizvolle Gegend, hügelig, mit vielen Wäldchen
und Wiesen, ca. eine Stunde hinter Wien, aber ansonsten die Vollwalachei, die
endgültige Peripherie Österreichs, Ländlichkeit galore.
Jedes Alpental dürfte dichter besiedelt sein. Das macht sich so wohl im der
Ausmaß als auch im Aussehen der Ortschaften bemerkbar. Das durchschnittliche
Kaff hat nicht einmal einen Ortskern, der Begriff „Hauptstraße“
verlangt einem hier viel Phantasie ab, Highlight ist bestenfalls der Dorfpuff,
dafür befindet sich der Supermarkt in der nächsten größeren
Siedlung.
Der freundlich ausgedrückt provinzielle Charakter der Gegend hat aber noch
andere, wesentlich greifbarere Auswirkungen, z.B. wenn man Sonntag morgens um
08:00 versucht, vom Festivalgelände ins Hotel zurückzukommen... Aber
davon später mehr, ich schweife ab. Eigentlich wollte ich ja was zum äusserst
malerischen Setting sagen.
Das Gelände liegt zwischen Hügel und Wäldern eingebettet in einem
kleinen Tal, die Zeltplätze direkt daneben. Abhängig von der Lage sind
diese mal mehr, mal weniger malerisch entweder zwischen besagten Hügeln,
Wiesen und Wäldern oder neben der staubigen, nicht geteerten Hauptzufahrtsstraße
plaziert. Das ganze ist für ein Festivalgelände mit angeschlossenem
Campingplatz recht klein und überschaubar, es werden nicht mehr als 10.000
Leute da gewesen sein.
Die Location selbst besteht aus zwei „Floors“ und einem Outdoor-Bereich.
Floor Nummer 1 ist ein riesengroßes, fest aufgebautes und an einem Ende
offenes weisses Zelt mit Holzfußboden. Ich war wirklich sehr erstaunt, als
ich das gesehen habe. Der Boden hatte den angenehmen Effekt, dass das Festival
sauberer war als eine durchschnittliche Clubnacht daheim. Das Zelt ist mindestens
10 Meter hoch und hat locker die Fläche eines halben Fußballfeldes.
Schwer zu schätzen, wenn man nie nüchtern drin war. GROß auf jeden
Fall, so groß, dass es nie richtig voll wurde. In der Mitte der Halle waren
zwar immer die Hölle los und es kam ordentlich Stimmung auf, aber an den
Rändern verlor sich die Menge etwas, was aber nicht unbedingt unangenehm
war, eher im Gegenteil. So hatte man immer die Wahl zwischen Platz zum Atmen und
ein paar Hundert Leuten und etwas Rave-Atmosphäre. Wie es sich für eine
Konzerthalle gehört, gab es natürlich auch eine Bühne und eine
Empore.
Ausser an der Seite mit der Empore hingen unter der Decke überall riesige
Videomonitore, die mit Visuals bestrahlt wurden. Das DJ-Pult war auf der Bühne
über einem regelrechten Boxenwall aufgebaut, darüber noch größere
Monitore, rechts und links PA-Türme. Das ganze wurde ergänzt durch diverse
Laser, Scheinwerfer und eine Discokugel. Alles in allem war es optisch mehr als
spektakulär. Unter der Empore befand sich eine Bar, bis ca. 03:00 nachts
war hier der VIP-Bereich, danach die „Chillout“-Area - Afterparty
wäre die treffendere Beschreibung. Lauter, pumpender House in diversen Varianten
(von Tribal bis Vocal alles vertreten, Hauptsache laut und Party) und stracke
Leute bis zum frühen Nachmittag... Hab' ich schon erwähnt, dass auch
im Zelt a.k.a. auf dem Mainfloor House lief?
Der Wow-Faktor des D'n'B-Floors war im Vergleich dazu eher bescheiden; ein braunes
Backsteingebäude, Warehouse-mäßig, etwas kleiner als die Kolbenhalle
vom Connexion, düster, heiss, voll. Nur ein Monitor mit Visuals, maximal
halb so groß wie die Monitore im Zelt, aber auch hier nette Lichteffekte.
Toll fand ich, dass es hier ebenfalls eine Empore gab, die man über eine
reichlich enge Treppe neben der Bühne erreichen konnte. Hatte man dieses
anstregende (und je nach persönlicher Nüchternheit nicht ungefährliche)
Prozedur hinter sich gebracht, tat sich eine überraschend gemütliche
kleine Lounge mit Bar und bequemen Sofas auf. Es war zwar nicht kühler als
unten in der Menge, aber dafür brauchte man auch keinen VIP-Pass, hatte immer
etwas Platz zum tanzen und konnte sich hinfläzen oder dem Mob beim raven
zuschauen.
Der Outdoor-Bereich bestand zum größten Teil aus Bierbänken, Sonnenschirmen,
diversen Verkaufsständen für Essen, Trinken und Nippes so wie einem
Klohäuschen. Wirklich nett war die Liegewiese hinter dem Zelt und das kleine
Wäldchen mit der Goa-Kulisse (ihr wisst schon: obskure Deko in grellen Farben
und viel Schwarzlicht) und den Hängematten. Vor allem Morgens zum sonnen
und ausruhen wunderschön.
Musik
Da gab es wirklich nichts zu meckern, musikalisch war es echt deluxe und äusserst
vielseitig. Jungle-technische wurde jeder Geschmack bedient, sei es nun eher undergroundig
oder ravig. Von Marky über Noisia und Matrix bis hin zu diversen Altstars
wie Aphrodite und Grooverider war alles vertreten. Ich muss aber zu meiner Schande
gestehen, dass ich viele der interessantesten Acts verpasst (bzw. nicht wirklich
bewusst wahrgenommen) habe.
Opfer des klassischen Ravesyndroms: Strack von einem Floor zum anderen hüpfen,
erschlagen von der Masse der gebotenen Sets, mal hier, mal da rumsitzen, viel
mit Leuten labern und ansonsten halt grade da abfeiern, wo es einem gut reinläuft.
Bis auf zwei, drei Houseacts und Illskillz hat meine persönliche Timetable
kläglich versagt. Deswegen gibt es hier leider keine vernünftigen Rezensionen
der einzelnen Sets, sondern nur subjektive Eindrücke. Mea maxima culpa!
Sehr gut waren auf jeden Fall Bauchklang (Ragga-HipHop-Dub komplett acapella),
Kid Alex, Hell und Dorfmeister. Irgendwie merke ich so langsam doch die zunehmende
House-Affinität. Vom D'n'B-Floor habe ich die meiste Zeit nur Versatzstücke
mitbekommen. Freitag war eindeutig der bessere Tag - Illskills fand ich z.B. superb,
straighte, harte Beats mit hohem Feier-Faktor. Samstags war dagegen das volle
Tapepack-Rave-Programm geboten, aber selbst da gab es Highlights. Pendulum beispielsweise
gingen mir wieder erwarten extrem gut rein. Spätestens ab Mampi Swift wurde
es aber mehr als anstrengend und mich überkam ein starkes Bedürfnis
nach Licht und frischer Luft. Sonnenaufgang: 5 Uhr-irgendwas. Bei Noisia war ich
zwar noch auf dem Gelände, aber aus strahlendem Sonnenschein in die (immer
noch gut gefüllte) Ravehöhle ging gar nicht.
Die Reise, Party und andere bizarre Episoden
Los ging es Freitag nachmittags zusammen mit dem Sinista von Stuttgart via Flieger
nach Wien. Dort wartete auch schon unser „Abholservice“ (an dieser
Stelle nochmal ein fettes Dankeschön an killingzoe a.k.a. Birgit fürs
abholen, Hotel checken und Sonntag morgens retten) und transportierte zuerst den
MC in sein Hotel und dann mich und moek in unsere Absteige. Nach einigem Suchen
hatten wir sie dann gefunden. Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht noch
an die Beschreibung des durchschnittlichen Kaffs vom Anfang des Textes, keine
Hauptstraße und so – genau da war unser Hotel, am Ende der Welt, noch
über der örtliche Burg gelegen und ziemlich weit vom Festival und jeglicher
Zivilisation entfernt. Alles kein Problem, wir hatten ja ein Auto plus Fahrerin
und zur Not kann man bestimmt auch ein Taxi nehmen... Also kurz Sachen abladen,
frisch machen und los zur Feier. Übersetzt heisst das: Die Alkoholika zwecks
Kühlung in der Badewanne bunkern, einiges davon konsumieren, dazu einen rauchen
und sich dann zum Rave aufmachen.
Sehr schön war es da: Angenehm gemischte, multinationale Crowd, vom Öko-Kiddie
mit Dreadlocks über den Standard-D'n'B-Raver und den Goa-Freak bis hin zu
aufgestylten Nobel-Housern war alles zugegen, was die Clubszene so hergibt. Positiv
erwähnen muss man auch den hohen Frauenanteil und die überraschend wenigen
Vollopfer. Dazu noch die nette Location und gute Musik - ich hab' mich spontan
wohl gefühlt. Der D'n'B-Floor war die ganze Nacht brechend voll und am rocken,
die Leute hatten echt eine bemerkenswerte Konstitution. Als es morgens um 06:30
in Richtung Bett ging waren immer noch genau so viel Leute am Feiern wie um 02:00
(im Housezelt war leider schon um 3 nach Hells Set Feierabend) und Sinista hatte
keine Stimme mehr. Ich war einfach nur fertig.
Verplanungshighlight dieser Nacht war eindeutig der unwissentliche Fantaraub in
Miss Kittins Zugabteil im Backstagebereich (ja, da standen wirklich Zugwagen).
Wir wussten zu dem Zeitpunkt zwar nicht, dass es ihrer war, aber irgendwann morgens
ist uns dann doch das Schild am Eingang aufgefallen... Wie man sich denken kann
hatte ich an dem Abend viel Spaß! Moek und Zoe verabschiedeten sich so gegen
4 ins Hotel, ich wollte noch bleiben und habe beim Sinista im Hotel übernachtet.
Am nächsten Mittag ging es zum Photoshooting in den Supermarkt (vergleiche
erste Resident-Ausgabe). Folgendes Szenario: Ich hatte vielleicht 5 Stunden geschlafen
und die ganze Nacht lang meine Leber und diverse andere innere Organe kräftigst
geschändet, keine sauberen Klamotten dabei und keine Zahnbürste. Das
war ja alles im anderen Hotel. So weit, so gut - genau in dem Zustand ging es
dann zum Shooting. Wir waren zu 7. und ohne Aussnahme mehr oder weniger heftig
verfeiert vom Vorabend. Der Photograph trug einen großen schwarz-weiss gestreiften
Filzzylinder, hatte die Haare zu zwei Zöpfen geflochten und an seinen kurzen
Hosen einen Schwanz befestigt. Wir anderen sahen einfach nur ranzig, versifft
und/oder verpeilt aus, d.h. eine sehr seriöse Gesellschaft. Ohne Genehmigung
für besagtes Photoshooting. Erschwerend kam hinzu, dass der Plan darin bestand,
den MC für die ganze Aktion in einen Bademantel zu stecken. Im ersten Markt
flogen wir auch prompt raus, aber immerhin konnte ich mir hier Zahnbürste,
Zahnpasta, Wasser, Kaffee und ein Nusshörnchen kaufen, was mein Wohlbefinden
erheblich steigerte. Im zweiten ging es dann zum Glück gut, obwohl wir uns
schon einige Fragen gefallen lassen mussten („Wir sind Kunststudenten...
brauchen das für unser äh Projekt... blah!“), vor allem, als am
Markteingang unter dem Bademantel die Hosen fielen... Wie auch immer, es war echt
herrlich und mit einer der lustigsten Samstag-Nach-Party-Ausflügen, an denen
ich je teilnehmen durfte.
Im Anschluss ging es zurück ins Hotel und ich kam endlich zu meinen frischen
Sachen. Um 9 waren wir zurück beim Rave. Wieder Erwarten war der D'n'B-Floor
noch voller als am ersten Abend. Bewegung war fast nicht mehr möglich und
es war so heiss, dass einem selbst bei absoluter Reglosigkeit der Schweiss in
Strömen lief. Muss wohl damit zusammengehangen haben, dass heute die ganzen
Tapepack-Helden aus dem UK spielten... Dementsprechend häufig hielt ich mich
draussen auf. Immerhin 'ne viertel Stunde Ed Rush & Optical, Pendulum, Mampi
Swift und Noisia kann ich noch zuordnen. Letztere spielten allerdings zu einer
völlig barbarischen Urzeit – 08:30. Angesichts der Tatsache, dass sich
die Fahrerin schon um 2 h ins Hotel verkrümelt hatte, war ich noch anwesend,
körperlich zumindest (perverser Weise war ich zwar jenseits von Gut und Böse,
aber nicht wirklich müde).
Wer schon mal zu dieser Zeit völlig zer- und verstört von strahlendem
Sonnenschein in ein dunkles, heisses Loch voller schweißtriefender Leute
gewechselt hat, in dem Musik direkt aus der Hölle gespielt wird, kann es
mir vielleicht nachfühlen, dass ich mir Noisia nicht mehr angehört habe
und mich stattdessen mit moek um eine Heimfahrgelegenheit bemühte. Natürlich
gab es kein Taxi, und auch keinen Fahrerservice ins Hotel wie am Vortag. Zum Glück
antwortete Zoe recht schnell auf unsere zahlreichen verzweifelten SMS und holte
uns ab. Sonst wären wir wohl bis mittags festgesessen und von dort direkt
nach Wien weitergefahren.
Nach 2 h äusserst dünnem Schlaf war die "Nacht" auch schon
wieder vorbei und es ging an die Heimfahrt. Dass ich es nicht wirklich toll fand,
als wir in Wien am Flughafen drei Stunden festsaßen, weil der sch**** Flieger
Verspätung hatte, muss ich wohl nicht näher erklären. Das leckere
Sandwich und der Kaffee in Wien machten es auch nicht besser, gewisse Sachen muss
man einfach ertragen. Aber auch diese (subjektiv SEHR lange) Zeit ging vorüber,
und abends um 11 war ich nach Airport, Flug und anschließender Zugodyssee
von Stuttgart nach Mannheim endlich zuhause. Schlafen hat sich noch nie so gut
angefühlt.
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