Bilder von "milk! jetzt!" findet Ihr in der
Gallery Review von Andreas Margara
Im Jubiläumsjahr der Stadt Mannheim expandiert die TDK Time Warp von
der ultimativen Techno-Party zu einem einwöchigen internationalen Festival
für Jetztmusik und Medienkunst. Zum Auftakt am 24.3 hatte man sich daher
etwas ganz besonderes überlegt. Unter dem Namen milk: jetzt!, wollte man
den legendären Mannheimer milk! Club wieder Auferstehen lassen. Zwar wurde
hierfür die Location aus dem ursprünglichen Keller unter der Fußgängerzone
Planken in das Industriegebiet auf die beiden Clubs 7er und Rude7 verteilt,
doch versammelte sich nun erstmals wieder die Originalbesetzung hinter den Plattentellern.
Den House und Techno Floor im Rude7 teilten sich somit Groover Klein, Seebase
und D-Man, auf dem Oldskool Floor im 7er ließen die DJ’s Bassface
Sascha, Tobi & Jonathan das Vinyl rotieren.
Das milk! wurde 1990 in Mannheim gegründet, als sich Techno und elektronische
Musik unaufhaltsam auf dem Vormarsch in Deutschland befanden. Allerdings konnte
man zu anfangs noch nicht mit der Anziehungskraft vom Club Omen in Frankfurt
mithalten, in dem Sven Väth’s erfolgreiche Techno-Partys stiegen.
1992 gelang schließlich dennoch der überregionale Durchbruch, nachdem
sich das DJ-Team aus dem milk! zunehmend auf den neuartigen Breakbeat Sound
von der Insel konzentrierte und die ersten englischen Größen der
Szene buchte und präsentierte. Es folgten bahnbrechende Partys, die Musikstilen
wie Jungle und Drum'n'Bass den Weg nach Deutschland ebneten. Das milk! war zum
Publikumsmagnet einer neuen Jugendkultur avanciert und wurde auf dem Höhepunkt
sogar vom Groove Magazin zum Club des Jahres gekrönt. Negative Schlagzeilen
blieben aufgrund der steigenden Drogendelikte dennoch nicht ganz aus.
Zurück ins Jahr 2007. Wird es auf der milk: jetzt! den Sound von damals
zu hören geben oder liegt der Schwerpunkt doch eher auf dem jetzt? Das
war die Frage, die kurz vor der Eröffnung zu Recht von allen heiß
diskutiert wurde. Denn schon immer haben sich die Macher des milk! zum Ziel
gesetzt den Sound an den Puls der Zeit, beziehungsweise vor der Zeit auszurichten.
Fest steht: Das milk! von gestern ist Geschichte, aber die Menschen von damals
sind wieder vereint.
Genau so setzt sich das „reifere“ Publikum an diesem Abend auch
zusammen. Oldskool-Raver und jede Menge milk!-Schnitten von damals. Der Weg
führt über den größeren und etwas schlichter gestalteten
Floor im Rude7, der fest unter Kontrolle von Holger „Groover“ Klein
ist, hinein ins 7er direkt nebenan. Hier ist eine beachtliche, für Time
Warp Verhältnisse aber übliche, Laser-Show zu sehen und erste ältere
Breakbeat Scheiben ertönen durch die Anlage.
Tobi & Jonathan stehen gemeinsam hinter den Decks und harmonieren so, als
hätten sie nie aufgehört zusammen aufzulegen. Andauernd sieht man,
wie alte Bekannte die Bühne betreten und die beiden begrüßen.
Die Gesichter strahlen und das besondere Flair des Abends macht sich breit.
Trotzdem ist die Stimmung auf den beiden Floors grundverschiedenen. Höhepunkt
dann in der Oldskool Area, als „Bassface“ Sascha Dürk auf der
Stage erscheint und sein Oldskool-Set beginnt. Die rauchenden Drums und rollenden
Bässe verziert er mit allerhand DJ-Skills aus dem HipHop-Bereich. Häufige
Scratches und wiederholte Breaks treiben die Crowd kontinuierlich an. Auch bei
dem Icon Resident-DJ überwiegt eindeutig der Spaß beim Auflegen.
Oft wechselt er sich mit Tobi ab oder lässt sich Platten von Jonathan zuspielen.
Selten sieht man DJs so engagiert und motiviert wie Bassface Sascha beim heutigen
Set. Das Publikum dankt es ihm und feiert gehörig ab.
Pünktlich zur Umstellung auf die Sommerzeit ertönen dann auch schon
die ersten Happy Breakbeats. Hochgepitchte Vocal-Samples, schnell eingespielte
Schlagzeugrhythmen, dazu funky Versatzstücke und Drum-Loops im oberen bpm-Bereich
dominieren nun die Klangkulisse. Hold your hands to heaven ist nur der erste
von vielen Klassikern, die fortan für eine noch ekstatischere Atmosphäre
sorgen. Jetzt steht Tobi wieder an den Tellern, um der Menge Baby D’s
Let Me Be Your Fantasy zu servieren. Gänsehaut Atmosphäre und die
Party scheint kein Abriss zu nehmen. Die „verlorene“ Stunde der
Zeitumstellung wird anschließend noch bis gegen 8 Uhr morgens nachgeholt,
ehe die rauschende Eröffnungsparty langsam ausklingt.
Neuere Stücke bleiben in dieser Nacht weitgehend aus, so haben sich das
die meisten Oldskool-Heads wohl auch erhofft. Entgegen aller Kritik im Vorfeld
ist die Party ein voller Erfolg und schon das erste Highlight der TDK Time Warp
Festivalwoche. Anlässlich der 400-Jahrfeier wird es in den kommenden Monaten
auch noch eine limitierte milk! EP auf dem Mannheimer Hardcore Breakbeat Label
Dragon-Technicals-Records zusammen mit Redagain P, Bassface Sascha & Groover
Klein auf 12" Vinyl geben. Watch out!
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