Vielleicht steht fast noch in jedem Plattenpresswerk irgendwo in der Ecke eine
Dubplateschneidemaschine, aber das Wissen um Wartung und Bedienung ist schon lange
vergessen.
Dubplates & Mastering in Berlin ist wohl einer der wenigen Orte in Europa,
wo sich speziell Produzenten elektronischer Musik hervorragend gemasterte Dubplates
ihrer Musik schneiden lassen können.
(..Data:..)
Das aktive Personal ist im Hard Wax Dunstkreis angesiedelt.
Die Motivation diesen Ort zu betreiben, ist tiefe Verbundenheit mit dem Medium
Vinyl, und das daraus resultierende Vorhaben, es einerseits so gut wie möglich
klingen zu lassen, und andererseits die Erkenntnis, daß Leute, die sich
mit elektronischer Musik beschäftigen folglich am besten für Leute,
die sich mit elektronischer Musik beschäftigen, arbeiten.
Sicherlich muß ein Kompromiß zwischen Umsatz und Spaß eingegangen
werden, aber der europaweite Nutzen gerade für kleinere Labels ist unbeschreiblich.
(..Die Maschine..)
Data: Es gibt zwei Maschinentypen. Die amerikanische Sculli bei der die Spindel
drehbar ist, und dadurch die weltberühmten Rückwärtscuts (Underground
Resistance, Kevin Saunderson und andere Detroitproducer) möglich sind. Und
sonst (wie hier) die Neumann (siehe Bilder).
Mitte der 40iger Jahre hergestellt, immer wieder technisch bis in die Siebziger
verbessert, muß man sich das Gerät mehr wie eine Drehbank mit einem
Technics MK II in der Mitte vorstellen.
"Mit kaputten Ohren ist das wie mit
Drogen - man braucht natürlich immer mehr damit es kickt."
Über dem die Spindel mit der draufmontierten Schneidedose mit den Magnetspulen,
die einen Stichel mit einem beheizten Diamanten bewegen, der in das eigentliche
Dubplate ritzt, und dann noch den Staubsauger, der die anfallende Späne absaugt.
Dazu kommt noch ein großer Haufen weiterer Teile, wie die Steuerung der
Spule, Verstärker und Sicherungen, ein Mikroskop zum Begutachten der Rillen
und noch einige andere Dinge. Wie ein großer Schrank mit einer Konsole.
(..Dubplates..)
Das eigentliche Dubplate oder Acetat ist identisch mit der Vorlage die als Vorlage
in das Presswerk geht. Ein Stahlkern (Metalhead) in der Mitte und eine o,1 bis
0,2 Millimeter starke Kunstoffschicht drüber, in die geschnitten wird. Deswegen
auch ca. dreimal so schwer wie Vinyl.
Data: Ein Dubplate kann man ungefähr 80 - 100 mal abspielen.
Auf eine 12 inch passen bis zu 25 Minuten, bei 10 - 12 Minuten gibt es keine Beschränkung
der Lautstärke, auf eine 10 inch 7- 8 Minuten. Beim Schneiden kann 1:1 vom
DAT geschnitten oder auch gemastert werden.
(..Mastern..)
Das Geheimnis des Drucks. Die einen haben mehr und die anderen weniger. Hier kann
nach zwei Gesichtspunkten unterscheiden werden: Der (tatsächliche) auf einer
Armatur ausschlagende Pegelwert, und der subjektive, vom eigenem Hörempfinden
abhängende Eindruck. Eine Schrammelgittarrenplatte wird weniger tatsächlichen
Druck haben, aber dafür tierisch laut kommen, weil Frequenzen getroffen werden
bei denen das Ohr empfindlicher ist..
Man kann demnach mittige Platten machen, die einem die Ohren wegfräsen aber
objektiv null Druck haben.
Man kann aber auch basslastige Platten machen, die einem nicht laut vorkommen
aber dafür eindeutig am Körper zu spüren sind. Wie laut man nun
Sachen tatsächlich auf Platte pressen kann, hängt von vielen Faktoren
ab.
Es gibt mehrere Grenzen: Z.B. den von den Erfindern der Schallplatte definierten
0 dezibel Wert...
(..Maximalpegel..)
Tatsächlich kann man allerdings meistens aber auch fast doppelt so laut (+6db)
oder zumindest ein bißchen drüber (+2 - +4 db) schneiden.
Der Höhengrenzwert
Bei den Höhen wird der Stichel in kleineren Bewegungen geführt, was
zur Folge hat, daß die Schwingspulen heiß werden und die Gefahr für
diese besteht durchzubrennen. Da Schwingspulen aber sehr rar und nahezu unersätzlich
sind, wäre das das Ende allen Schnittwillens.
Die Ausgewogenheit
Es zeigt sich ein Problem, wenn einzelne Teile eines Tracks unausgewogen aus einem
schmalen Frequenzbereich bestehen. Grundsätzlich sollte jeder Produzent auf
ein ausgewogenes Verhältnis von Höhen, Mitten und Bässen zueinander
achten. Teure Studioboxen braucht niemand zwangsläufig
Text: bassdee (1996)
Der Text erschien 1996 im Berliner D&B Magazin "easy" und wurde
future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.