TGM? Nein, so heißt nicht die französische Antwort auf einen deutschen
Schnellzug. Dieser heißt TGV und hat mit folgendem Artikel und dessen
Protagonisten so rein gar nichts zu tun. Oder wo denkt Ihr, liegt die Parallele
zwischen Breakbeats made in Deutschland und kontinentalem Schienenverkehr?
Na also...
TGM steht als Abkürzung für The Green Man alias Heiner Kruse. Den
Mann also, der seit 1997 für hochqualitative Drum´n´Bass Tracks
auf dem eigenen Label „Basswerk“ sowie die dazugehörigen „Basswerk Sessions“ im
Kölner Gebaüde 9 verantwortlich ist. Nicht zu vergessen, die eigene
Internet Radioshow auf drumandbass.de.
Bedingt durch Verwechslungen mit dem
gleichnamigen Techno-Produzenten (an dieser Stelle muss dann auch der hier
Schreibende ein sehr unangenehmes Missverständnis
personeller Art zugeben) entschied man sich, gleichzeitig mit dem Release des
neuen Albums „You decide“, das eigene Pseudonym auf seine Kurzfassung zu reduzieren.
Dass auch Ex-Take That Bubi Marc Owen sein Soloalbum „The Green Man“ betitelte
und so auch quasi unter diesem Pseudonym agierte, sei hier nur am Rande erwähnt.
You Decide...
Nach 13 Releases auf Basswerk, Remixen für unter anderem Simon V (Fruity),
Michael Rose vs. Kinder Atom (Illegal), NOHA (Time & Vision) und zahlreichen
Beiträgen zu ebenso zahlreichen Compilations von Deutschland über
England, USA und Kanada, wurde es höchste Zeit für ein erstes eigenes
Solo-Artist-Album.
„You decide“ enthält 14 Stücke im mehr als eigenen TGM-Style, will
meinen, perkussive, rollende Beats der deepen, weichen Machart treffen auf
warme Flächen und Harmonien sowie runde, schiebende Bässe. Detaillierter
und filigraner produziert beziehungsweise arrangiert als bislang in Deutschland
Standard, steht hier eins ganz klar im Vordergrund: die Musik.
Neben neuen Stücken enthält der Langspieler unter anderem oben genanntes „Illegal“,
sowie das längst erwartete Update des fast schon Klassikers „Infinity“ (Im
Original auf Basswerk 01), welches auch im Vorfeld des Albums ausgekoppelt
wurde und Ende September Platz 1. der Deutschen Club Charts (DCC) erreichte.
Eine Premiere für deutsche Drum´n´Bass-Produktionen!
Als Gäste tauchen auf „You decide“ Namen wie UFO! & Sage, Klute oder
Cheetah (letzterer gründete 1994 gemeinsam mit Heiner Kruse das „Partylabel“ Junglegrowers)
auf.
Überraschender Weise erscheint das Album nicht auf Heiners eigenem Label,
sondern auf Phonehead Philipp Maiburgs Label „Combination Records“ welches,
auch dank der Kooperation mit dem wohl allseits bekannten Workwear Label Carhartt, über
einen beachtlichen Output verfügt. Die Philosophie von „Combination Records“ beruht
auf einer Drum´n´Bass Ästhetik, welche sich nicht über
ein bestimmtes Tempo zu definieren versucht. Um diesen kurzen Labelexkurs zu
beenden, sei noch kurz die kürzlich erschienene Compilation „Combination
Traffic“ erwähnt, auf welcher auch, um den Faden gekonnt wieder aufzunehmen,
TGM mit einem Stück vertreten ist.
On the Road...
Von November bis Februar wird TGM Heiner Kruse zwecks Promotion
des Albums durch die Clubs der Republik touren sowie in deren Rahmen bei lokalen
Musikläden
Workshops zum Thema „Reason“, dem virtuellen Studio der Softwareproduzenten „Propellerhead“ veranstalten.
Für den Clubkontext kündigt TGM DJ-Sets mit Livebestandteilen an.
Was die Aktualität seiner Sets angeht, schreckt Heiner Kruse bemerkenswerter
Weise nicht vor dem Mixen via pitchbarer CD-Player zurück, was den unmittelbaren
Einsatz neuer Tracks ohne Umweg übers Dubplatestudio ermöglicht,
seine Sets also an Aktualität kaum überbieten lässt.
Zukunft
An Veröffentlichungen des Herrn TGM erwarten uns in nächster Zeit
unter anderem Tracks auf „Krush Grooves“ sowie ein Remix des Phoneheads-Stückes „Syrinx“.
Zudem wird wohl auch der, bislang nur auf der CD-Version von „You decide“ erhältliche,
beziehungsweise als Dubplate rotierende „Full Vocal Mix“ von „Infinity“ in
limitierter Auflage erscheinen. Eine Basswerk DVD mit Visuals der, bei Baswerk-Sessions
stets präsenten, „Sehvermögen“ Crew soll zudem auf Combination Records
erscheinen.
Nach dem Nachwuchs deutscher Produzenten gefragt, nennt Heiner Kruse die Namen
Simon V, Telmo A, SSB und Young Ax als zukunftsversprechende, aufstrebende „Newcomer“.
TGM also:
17 Jahre Djing (seit zehn Jahren hauptberuflich), Freie journalistische
Arbeiten für Keyboards und Beam me Up, eine Discographie, die ihresgleichen sucht
sowie Owner eines der führenden Deutschen Drum´n´Bass Labels.
Was kann man mehr erwarten, wie viel mehr erreichen im Deutschen Drum´n´Bass
Circus? You decide...
Text: Feindsoul (drumandbass.de) (September
2001)
Der Text erschien im Oktober 2001 im Breakbeat Magazin und wurde future-music.net
freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.