Amaning (Tom), J-Cut (Jens) und Canoma (Andreas) sind sind eines der umtriebigsten
deutschen Teams im Drum&Bass Dreikampf (Auflegen, Produzieren, Parties machen).
Ihr kennt sie von den Play Parties wenn ihr im Kölner Raum wohnt, von drumandbass.de
oder der broken beatz Webshow, habt wahrscheinlich schon einige ihrer Tunes gehört
die mittlerweile auch von big Playern wie Teebee und Bailey gespielt und auf Labels
wie Renegade, PhunkFiction und Basswerk veröffentlicht werden, und wahrscheinlich
haben sie auch schon in eurer Stadt aufgelegt. Grund genug mit ihnen zu sprechen.
Nach dem ersten Teil des Interviews
plaudern Amaning, J-Cut und Canoma in diesem Part über die Play! Partyreihe,
die Overkill Music Booking Agentur, Sponsoring und Drum'n'Bass in den Medien ...
Erzählt mal was über Play, wie geht es da weiter? Ihr seid ja wieder
im Stadtgarten, regelmässig.
C: Also, es wird nach ein paar Monaten Pause ein
Reopening geben. Wir habe die Organisation bei Play! neu geordnet und werden am
11. Februar Reopening mirt E.decay feiern und Soultrain, der ja auch zu Raw Hill
gehört. Wir hoffen, dass die erste Party dann vom Publikum angenommen wird,
auch wenn wir keine Engländer am Start haben. Dazu muss man sagen, dass wir
prinzipiell die Nase voll haben immer Engländer zu buchen, nur um eine Gewähr
zu haben dass die Party voll wird, zumal Deutschland seit Jahren eine eigene Szene
hat. Das müsste für die Partygänger doch völlig ausreichend
sein, wenn er weiss es wird trotzdem Qualität geboten, auch wenn jetzt auf
dem Flyer nicht DJ Hype oder Grooverider stehen.
Ist das das neue Play Konzept, nur noch deutsche Artists zu buchen?
C: Nein, nicht unbedingt.
J: Bei Play! geht es eher darum dass wir musikalisch offen sind, weil wir
alle auch einen anderen DNB Geschmack haben. Das trifft sich in der Mitte, aber
bei den Bookings geht es uns eher darum abwechslungsreich zu sein. Wir werden
zwar keine düsteren Metal Rave Maschinen DJs buchen, aber sowas wie John
B und Teebee bei GreenBeats, so etwas funktioniert auch.
Wir versuchen die grösstmögliche Bandbreite zu bieten, auch bei den
Tunes die wir produzieren. Man könnte von den Sachen die jetzt rauskommen
den Eindruck haben wir machen nur Liquid, aber teilweise, das Stück was jetzt
auf Basswerk kommt ist schon etwas härter, technoider, und wir haben auch
einige neuere Sachen die noch härter sind.
Das Interview mit AJC zum anhören!
(82 min, 78 MB, MP3)
Habt ihr jetzt wieder monatliche Dates?
J: Eher alle zwei Monate.
A: Was auf jeden Fall ansteht dieses Jahr ist der zweite Teil der Summer
Madness. Eventuell wieder im Kulturbunker, weil eigentlich jeder meinte, dass
die Stimmung da super war. War auch eine gute Selection, mit Deutschlands besten
DJs, Mad Vibes und Bassface, und AI und Flight. Das haben die Leute auf jeden
Fall angenommen.
Kannst du noch was zu Overkill Booking erzählen?
A: Overkill ist daraus entstanden, dass Leute, die
ich noch aus England kenne, mich gefragt haben, ob ich Dates klarmachen kann.
Ich sag dann immer ja, ich kann mal sehen, aber es ist so dass die meisten Veranstalter
ihre Kontakte haben und jahrelang die gleichen DJs buchen. Alles was ich was ich
machen kann ist denen aushelfen, wenn sie rüberkommen und ein Booking haben,
da ich auch zweisprachig bin, schauen kann, dass da alles reibungslos läuft,
dass ich hier die Verträge mache, die Abwicklung abchecke. Mal sehen, eventuell
wird das professionell aufgezogen, weiss ich aber noch nicht, weil es viel Zeit
in Anspruch nimmt. Jetzt auch schon, weil ständig Leute nach John B fragen
(Gelächter). Irgendwie kann ich mit seiner Musik nicht so viel anfangen,
aber er ist mein bester Kunde, oder anders gesagt, er wird ständig angefragt
und von mir am meisten verbucht.
Kannst du erzählen wen man über euch buchen kann?
A: Ich kann einiges auf die Beine stellen,
aber man kann auch selber in England anrufen und mit den Agenturen sprechen (Gelächter).
Nee, das Ding ist, ich krieg manchmal Anfragen von Leuten die sagen "Ich
hab noch nie mit einer Agentur gearbeitet", und ich verstehe das nicht. Als
ich das erste mal einen englischen DJ gebucht habe hab ich mich erkundigt, wer
ist jetzt für den zuständig, das war damals SHY FX, ich hab dann nachgeforscht
und hab direkt seine Managerin an den Start bekommen und hab direkt mit ihr geredet.
Das ist meistens gar nicht so kompliziert, man macht es sich nur kompliziert.
Also ich nehm das jetzt nicht soo ernst.
Das ist eine Plattform mit der ich Freunden helfen will, ich bin da eher so ein
Information Center bei dem ihr euch informieren könnt, wo ihr Leute buchen
könnt, was die alles brauchen und so. Darum geht es mir mehr. Mein Standpunkt
ist einfach, dass ich Leute mit denen ich Kontakt habe verbuche, die werden dann
teilweise hier fast nur über mich verbucht. Es ist teilweise schon so, dass
die Agenturen in England dann sagen "Geh doch zu Overkill!". Im Roster
sind fest die ganzen Renegade und Hardware Leute, Loxy, Ink, D.Kay, Lee, Lowqui,
John B..
Ihr habt auch ein THTC Link auf der Seite und tragt deren Klamotten, sind
die euer Sponsor?
C: Das war auch Zufall, wir waren mal in Amsterdam
gebucht und Lorson(?) von THTC war auch da und hat uns zwischendurch angesprochen,
während wir aufgelegt haben. Er hat uns da Prospekte gegeben von seiner Firma,
die ja Hanf Klamotten herstellt. Lowqui hat auch Kontakt zu denen und wird gesponsort,
da hat sich der Kreis geschlossen.
Zuerst hatten wir auch die Idee beim Shop Relaunch die Sachen mit rein zu nehmen
und den Vertrieb in Deutschland zu machen, haben aber auch gefragt wie es aussieht,
ob sie uns auch sponsorn wollen. Auf der Seite sind wir ja in geiler Gesellschaft,
wir stehen da neben den englischen Grössen. Es ist jetzt aber nicht so dass
wir ausschliesslich Klamotten von denen tragen, oder jede Woche ein Riesenpaket
mit Shirts kriegen.
Allgemein ist ja Sponsoring von DNB Künstlern in Deutschland relativ
selten, jetzt im vergleich zu Amerika, wo DC und CIRCA, oder ECKO sich richtig
stark engagieren.
C: Naja, Sir Benni Miles macht gezielt Sponsoring
von DNB Artists in Deutschland, oder Parties. Es ist schon verdammt schwierig,
obwohl die Klamotten ja zum Clubleben dazugehören.
Denkt ihr dass kein Interesse bei den Firmen besteht? Oder ist es eher
so dass die Artists sich gar nicht darum kümmern?
J: Beides. Einerseits versuchen die Künstler
das gar nicht, und dann hast du auch wieder das Mediending in Deutschland wo DNB
keine Sau in der Presse interessiert. Dementsprechend denken die Firmen auch,
warum sollten wir so einen kleinen DNB Künstler sponsorn?
Seht ihr eine Möglichkeit etwas zu ändern an dem Desinteresse der
Medien? Immerhin sitzen zwei der grössten Musikzeitungen in Köln, VIVA
und so...
J: Du musst ja nur mal in Intro oder SPEX gucken,
die interessieren sich einen Scheiss für DNB. Weiss auch nicht woran es liegt,
die springen einfach nur auf die Hypes an. Ich glaub auch nicht dass sich das
ändern wird. Mittlerweile ist es mir persönlich auch egal, weil man
sieht dass global immer mehr passiert und die Szene immer grösser wird.
Würde dich das denn nicht reizen deine eigene Musik im Radio zu hören,
und nicht nur bei Klaus Fiehe (Host bei 1live; Anm.d.Red.)?
J: Natürlich wäre das cool, da hoff ich
drauf, aber ob das so sein wird? "Easy" von Green Man lief zum Beispiel
auch mal tagsüber im Radio, weil das wohl so ein Crossover Potential hat.
Aber sonst, weiss nicht, ich glaub die Musik ist zu schnell, zu harte Beats.
A: Ich bin der Meinung das liegt an den Leuten, die an den Reglern
sitzen. Es gibt eben nicht so viele Leute wie Klaus Fiehe, oder Bassface auf HR3.
Ich glaub es liegt aber auch an den Künstlern, an uns und dern anderen Künstlern
da draussen. Seht mal dass ihr Zugang zum Radio bekommt, und zu den öffentlichen
Medien. um die Musik zu präsentieren! Das machen zu wenige Leute. So wie
Jens schon gesagt hat, es schicken auch wenige Künstler ihre Sachen an Labels
weil sie denken das ist nicht gut genug. Du kannst alles erreichen wenn du willst
(zu Jens) Ihr hattet damals eine Internet Sendung bei VIVA+, Was ein Jahr gut
gelaufen ist, die Option habt ihr euch selbst geschaffen, selbst gemacht. Darum
geht es, wenn mehr Leute aus der Szene das machen würden würde die Aussenwelt
auch mehr von DNB mitbekommen.
C: Etwas geht ja, Groove widmet DNB ja in jeder Ausgabe zwei, drei
Spalten. Bei der Intro war ich selbst mal und hab mit dem Chefredakteur gesprochen.
Der meinte sie würden das schon machen, aber die haben keine Ahnung was DNB
im Moment macht. Weil sie selbst nicht genügend Knowledge haben brauchen
sie jemanden, der sich anbietet und das auch macht. Die Evolution, den Prozess
den DNB gerade nach zehn Jahren durchmacht müssen wir der Umwelt einfach
zutragen, sonst werden die das nicht hören.
J: Ich hab auch bemerkt dass die Leute auf den Parties jünger werden.
Klar, man wird selbst älter (Gelächter), aber der Nachwuchs ist auf
jeden Fall da. Es rücken Leute nach. aber ich sag mir, ich hab DNB damals
durch den Medienhype erfahren, auch schon die Jungle Sachen vorher, M-Beat und
so, was schon im Fernsehen lief, aber dazu gekommen bin ich auch weil ich was
gelesen hab darüber, und weil im Radio was lief. Jetzt frag ich mich wie
kommen die Leute jetzt dazu? Auf der letzten Basswerk Session (mit Klute im Stadtgarten
Ende Januar 05, anm.d.red.), da waren viele so 16, 17, da war ein Mädchen
die von ihrer Mama um Zwölf abgeholt wurde (Gelächter).
Letzte Frage: Wessen Sachen spielt ihr gerne, international und deutsche?
A: Fangen wir mal mit Deutschland an.. Mad Vibes,
super sympatischer Typ den ich durch den David (Soultrain) kennengelernt habe,
der mir wirklich viel beigebracht hat, bei dem ich viel Erfahrungen gesammelt
hab. Super fitter Typ, macht fast nur noch Mastering und lässt seine eigenen
Produktionen leider auf der Strecke, was schade ist denn unter Mad Vibes hat er
damals auf Gyration einiges bewegt für Deutschland, und sich auch international
einen Namen gemacht. Bassface ist super, auch mit seiner Sängerin mit der
er jetzt wieder ein neues Ding draussen hat das superkrass ist. Das wird auf jeden
Fall explodieren für ihn dieses Jahr. Klar Rollin B, Syncopix ist am Start,
sehr musikalisch und futuristisch. Von E.Decay hört man zur Zeit leider zuwenig,
der legt überall auf und kommt nicht zum produzieren, durch seine Labels
und Events.
Europa, SKC und Chris.Su, Gorillas.. genau, Zero Tolerance und Beta2 aus
Irland, die auch mit Calibre schon releast haben, Beta2 auch selbst auf Metalheadz.
In England Laroque, die Logistics und Nu:tone Familie. Die alten Leute interessieren
gar nicht mehr so gross, das ist ausgelutscht. Loxy und Ink fahren seit Jahren
den dubbigen Style, ihr eigenes Ding mit Architecture und Cylon, wir versuchen
auch solche Sachen zu machen, aber die sind uns auf jeden Fall um einiges voraus..
Calibre!
C: Das klingt jetzt so als ob wir nur Leute erwähnen zu denen wir
selbst Kontakt haben, aber das ergibt sich ja zwangsläufig, weil wir von
denen zuerst Tunes bekommen. Deutschlandweit find ich auf jeden Fall Rollin B/Syncopix
am tightesten. Dann sollte man auf Stare aus Estland achten, der auch auf Renegade
und dsci4 released, Paul B, DJ Stunna aus Chicago..
...von dem ihr auch den Pain Remix gemacht habt.
C: Genau. Von den ganz Grossen ist mein Fave nach
wie vor Calibre, ganz klar. Bei den deeperen Sounds Teebee ganz klar, auch als
DJ allererste Wahl, obwohl ich seit ewigen Zeiten DNB höre hat mich das Teebee
Set (im August '04 im Stadtgarten) total fasziniert, wie ein Soundtrack. Der hat
auch seinen eigenen Sound gefunden.
J: Schon alles gesagt. Ich find gut das auch neue Leute nachrücken
und nicht nur die alten Hasen wie Dillinja, DJ Hype beherrschen. Subfocus zum
Beispiel. Es geht weiter, gut dass es auch andere Sachen gibt als die hunderttausendste
Nu:Tone und Commix Kopie. Das ist glaub ich wichtig, weil in den letzten zwei
Jahren immer mehr Sachen gekommen sind die sich wiederholen, wo nur noch auf Sounddesign
geachtet wird, wo es acht Bars, oder sechs Bars fett abgeht, Switch vorne rein
in den Tune und Switch hinten rein und genau derselbe Shit, dass da auch musikalisch
mehr passiert, dass die Leute sich mehr Mühe geben.