Compiler Frank Siccardi kennt in der überschaubaren „Szene" für brasilianischen Drum'n'Bass wirklich Jeden. So kann er mit Ausnahme von Drumagicks Remix für Mitchell & Dewbury auf die großen Namen wie Marky, XRS, Patife und Co. verzichten und bringt dennoch 15 amtliche Tunes zusammen. Klar, Bassline-Junks werden bei der einen oder anderen Nummer abwinken, doch hier geht es auch nicht um missverstandene Elitenbildung, sondern eher darum, einen durchaus massenkompatiblen Ausweg aus dem Jungle-Sackgassen-Labyrinth zu zeigen. Aber eben auch nur einen. Auf dem jedenfalls haben und machen DJ LK, Farrapo & Yanez, Riovolt etc. eine Menge Spaß.
Für Vinyl-Käufer gibt es neben den Extended Versions noch einen Track von XRS on top. So gehört sich das.
(m.path.iq, 08.2007)
Shar-Pei & Systec / Redagain P. - The 3rd Milk! EP [Dragon Technicals Records 002]
Die zweite E.P. des Mannheimer Hardcore- und Breakbeat Labels "Dragon-Technicals-Records" ist erhältlich. Auf der 4 Track E.P. präsentieren Shar-Pei & Systec zwei unveröffentlichte Breakbeat Tracks aus dem Jahr 1992 von Redagain P., der u.a. die legendären milk! E.P.s veröffentlichte. Daher ist das Cover auch mit dem Logo des für Drum'n'Bass in Deutschland historischen Clubs verziert.
Der Track "M.I.L.K. - milk!" wurde damals von Redagain P., Bassface Sascha und Holger Groover Klein im "Dub Tools Keller" produziert. Typischer Anfang-90er-Hardcore Sound. Ohne Piano dafür mit umso fieseren Subbässen und Panik-Sound.
"Sweet Nation" von Redagain P. startet mit verzwirbelten Acid-Sounds, kommt dann aber genauso brachial, etwas gradlieniger aus den Boxen. Prodigy lassen grüßen.
Die beiden anderen Tracks kommen von Shar-Pei und Systec und wurden ebenfalls im damaligen Breakbeat Stil produziert. Dabei gehen sie aber mehr in die Happy-Richtung.
"Feeling my Desire" war im Original auf dem ersten Release von Dragon-Technicals zu hören. Der Remix wird genauso auf dem (Breakbeat-) Floor funktionieren und die Hände ich die Luft gehen lassen. Ramos und Supreme hätten es kaum besser gekonnt.
"Passion" macht da weiter wo der "Feeling my Desire" Remix aufhört. Streicher in den schönsten Harmonien, gepitchte Vocals, Happy-Piano - was will das Oldskool-Herz mehr? "I'm burning, I'm burning, I'm burning like fire, I gonna take you higher and higher..."
Für jeden der damals dabei war und nun in Erinnerung schwelgen will, sowie für die frischen Breakbeat Enthusiasts ein klare Kaufempfehlung.
(future-music.net, 07.2007)
J Frequency & Smood / J Frequency – Killa Sound / Everything (Wicked Vibes 001)
Ein neues Mannheimer Label erblickt das Licht der Welt und wir waren wirklich gespannt, wie sich das wohl anhört, wenn ein Friseur aus Speyer und ein Plattenverkäufer aus Frankenthal gemeinsame Sache machen.
Die erste Seite kann leider überhaupt nicht überzeugen – ein langweiliger Standard-Beat mit lediglich zwei percussiven Elementen steppt durch eine monotone Bassline und hin und wieder fliegen einige wenige Vocal-Fetzen einfallslos durch den Track. 1998 hätte man mit diesem Track noch im guten Mittelfeld gelegen aber wie allen bekannt ist, schreiben wir bereits das Jahr 2007.
Auf der zweiten Seite ist der Beat etwas besser programmiert, aber durch eine statische und einfallslose Bassline, wie sie in 1000 anderen Clownstep-Tunes schon seit mehreren Jahren und ja: zu oft vorkommt, verschwindet auch dieser Track in der Menge der bedeutungslosen DJ Tools - hat aber wahrscheinlich wenigstens bei 18-jährigen englischen Chavs und Newcomer-DJs, die erst kürzlich angefangen haben, Vinyl zu kaufen, eine Chance, Gefallen zu finden.
(DJ Soulsurfer, 07.2007)
Subz & J-Cut / Dub Tao – Creation / One Drop (Soundtrax 021)
Der ehemalige Good Looking Protegé Big Bud betreibt seit geraumer Zeit gemeinsam mit seinem Kollegen DJ Element das erfolgreiche Soundtrax Label - und featured immer mehr und mehr deutsche Künstler, Bravo! Dieses Mal hat er sich zwei der bedeutendsten deutschen Liquid Produzenten-Teams angenommen und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen.
„Creation“ startet sehr verträumt mit atmosphärischen Flächen und einem zurückhaltenden Piano-Lick, bevor ein kurzes Reggae-Vocal einen Wahnsinns-Drop ankündigt. Eine sehr tief gefilterte und unglaublich groovige Reece-Bassline morpht durch toll editierte Beats mit exzellenten Percussions - Hit!
Auf der zweiten Seite kommen Dub Tao aus Berlin mit ihrem typischen Reggae Sound zum Zuge und mit tiefen, Detroit-ähnlichen Chords und einer relativ knackigen Bassline lassen sie die meisten anderen Produzenten, die gerade versuchen, auf der riesigen Reggae-Jungle Welle mitzuschwimmen, ganz schön alt aussehen. Sehr solider Tune mit tollen Beats, der auch abseits der Liquid-Fraktion viele Anhänger finden wird. Beide Tunes Bombe und außerdem die beste Soundtrax seit einer ganze Weile!
(DJ Soulsurfer, 06.2007)
Drumagick – El Magnifico / Class A – (Beatmasters 001)
Beatmasters ist ein ganz neues Drum´n´Bass Label aus Sao Paolo / Brasilien und hat sich die Förderung zahlreicher, junger Talente aus Brasiliens riesiger Broken Beat Szene auf die Fahnen geschrieben. Natürlich dürfen auch die alten Stars nicht fehlen und so konnte man niemand geringeres als Drumagick für das erste Release gewinnen.
„El Magnifico“ ist ein für brasilianische Tunes beinahe schon typischer Mix aus Latin- und Bossa-Nova Samples, aufgepeppt mit einem kräftigen, rollenden Beat und einem tollen Sub-Bass. Für die Lounges dieser Welt definitiv etwas zu hart, zielt dieses Release ganz klar auf den Dancefloor und macht auch genau dort eine Menge Spaß.
„Class A“ ist ein etwas deeperer Tune, bei dem sich ein interessantes Posaunen-Sample in typischer Disco-House Manier durch einen energetischen Beat filtert und auch die typischen Synth-Sounds, die man von Drumagick bereits kennt, fehlen hier nicht. Der ein oder andere Trainspotter dürfte diesen Tune bereits in zahlreichen Marky und Makoto Sets gehört haben – buy on sight!
(DJ Soulsurfer, 06.2007)
Jazz Thieves - We Keep The Funk / Midnight Hour (Pushin' Wax Rec. 004)
Auf Pushin' Vibes strahlt die Sonne mit dem vierten Release umso heller. Beide Tracks strammen aus der Producing-Feder von "Jazz Thieves" den Gründern des Labels.
"We Keep The Funk" startet mit einer "We Got the Funk, We Keep The Funk" Acapella Passage, die nach paar Takten von theatralischen Steichern und Bläsern unterstützt wird. Nach dem Drop wird es noch eine Spur funkiger. Drums, Horns, Vocals, eine catchy Basslne und etwas Hiphop.
"Midnight Hour" auf der AA Seite ist ein dicker Roller, der es geschickt schafft soulige Jazz-Elemente, Electro-Sythies und eine treibende Reece-Bassline zu verbinden. Eine zusätzliche Version, ohne die (häufig) eingesetzten Vocals, wäre interessant gewesen.
(future-music.net, 06.2007)
Lynx – Global Enemies (feat. Kemo) / Break the Mod (Soul:R 027)
Die 027 featured das wohl momentan heißeste neue Talent am Drum´n´Bass Himmel, DJ Lynx. Unterstützt von MC Kemo aus Düsseldorf schafft er mit "Global Enemies" einen Meilenstein, der radio- und clubtauglichen Drum´n´Bass völlig neu definiert. Ein spartanisch klickender Beat und tiefe, analoge Subbässe fusionieren gekonnt mit dem wirklich tollen Vocal des vielseitigen MC Kemo. So klingt HipHop aus dem Jahre 2025 – Kaboom!
"Break the Mod" ist ein monotoner Stepper, der mit mächtigen, abfallenden Subbässen, sparsam eingesetzten 303-Sounds und lustigen Flöten-Samples einen ganz eigenen Vibe versprüht – die einzigen Tunes, die man wenigstens ein bisschen als Vergleich heranziehen kann, sind evtl. alte Decoder- und einige wenige Icicle-Tunes. Das Ding ist HEIß!
(DJ Soulsurfer, 06.2007)
Break – Mr. Crystal / Come & get it (Soul:R 026)
Nach den John Tejada und Underground Resistance Remixen gibt es gleich zwei neue Drum´n´Bass Releases auf Manchester´s Finest.
Auf der 026 gibt Ausnahme-Producer Break sein Debut auf Soul:R. "Mr. Crystal" ist ein recht gewöhnliches, dubbiges Mixtool, das wirklich gut, aber auch nichts wirklich Neues ist – es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass dieser Tune schon einige Jahre alt ist.
Interessanter ist da auf jeden Fall die B-Seite: "Come & get it" passt hervorragend in den momentanen Hype um monotone, basslastige Tunes und fügt sich nahtlos in das Icicle und Jonny L Universum ein. Insgesamt aber ein zu schwaches Release für dieses grandiose Label.
(DJ Soulsurfer, 06.2007)
Bungle & Index / London Elektricity – Forgotten Souls / The great D&B Swindle (Logistics Rmx) (Hospital 121)
Hier sind sie, die fehlenden Perlen von der Weapons of mass Creation III!
"Forgotten Souls" von Bungle & Index steppt erst ein Mal völlig harmlos dahin, bis sich nach einem Beat-Switch ein beinahe technoider Roller mit gewaltiger Kraft entfaltet. Sicherlich einer der härteren und: monotonsten Hospital-Tracks, die bis zum heutigen Tage erschienen sind.
Auf der B-Seite dagegen ist absolut Party angesagt: Logistics schnappt sich das tolle Sample-Material von London Elektricity´s "The great Drum´n´Bass Swindle" und verpackt es in seiner unvergleichlichen und energiegeladenen Wand aus Bass und rollenden Beats. Diese Bassline klingt nicht, sie massiert. Hands in the air...!
(DJ Soulsurfer, 06.2007)
Atlantic Connection – Can´t destroy love / Plastic People (Westbay 002)
Nathan Hayes verwundert mit dem zweiten Release auf seinem neuen Westbay-Imprint: die A-Seite ist mit das langweiligste Stück Drum´n´Bass, was ich seit langem gehört habe. Der dubbige Tune wirkt, als ob zwei Drittel der Spuren verloren gegangen sind – es ist beängstigend, wie ein so großes Talent ausgerechnet solch einen Un-Tune für sein Label auswählt.
Zum Glück gibt es die B-Seite, die einen sofort vergessen lässt, was für einen Schrott man gerade gehört hat. Ein zuckersüßer Flöten-Sound kündigt ein fulminantes Conscious-HipHop-Intro an, das den Hörer sofort in seinen Bann zieht. Lockere, rollende Beats machen den Tune zu einem wahren Genuß und man fühlt sich, als ob man an einem sonnigen Tag mit einem Lowrider durch Philadelphia cruised. Im Break gibt´s als Sahnehäubchen noch eine Scratch-Einlage, bevor es dann langsam in den Sonnenuntergang geht.
Ganz groß und sicherlich zehn Punkte, aber wegen der A-Seite leider nur sechs Punkte.