Hersteller: Alcatech Produkt: MP3-/ Vinyl- Player Preis: 699,-€ Released: Sommer 2005
Vor über zwei Jahren haben wir Euch Stantons Final
Scratch vorgestellt. Das damalige System galt als revolutionär und
so verwundert es nicht, dass mittlerweile andere Firmen ähnliche Konzepte
anbieten. Die deutsche Firma Alcatech hat sich ebenfalls diesem Thema angenommen
und ein System Namens DigiScratch auf den Markt gebracht, dass den Konkurrenz-
Sytemen in nichts nach steht...
alcatech
Vor über zwei Jahren haben wir Euch Stantons Final Scratch vorgestellt. Das
damalige System galt als revolutionär und so verwundert es nicht, dass mittlerweile
andere Firmen ähnliche Konzepte anbieten.
Die deutsche Firma Alcatech hat sich ebenfalls diesem Thema angenommen und ein
System Namens DigiScratch auf den Markt gebracht, dass den Konkurrenz- Sytemen
in nichts nach steht. Ursprünglich wollte ich DigiScratch mit Stantons Final
Scratch 2 vergleichen. Da aber Final Scratch 2 zu spät bei uns eingetroffen
ist, kann ein Vergleich leider nicht vorgenommen werden. Nichts desto Trotz geht’s
jetzt los. Für all diejenigen, die in der Materie noch nicht so vertieft
ist, gibt’s erstmal einen Überblick über das System.
DigiScratch ermöglich es, Lieder über PC und konventioneller DJ- Technik
aufzulegen. Dazu muss einfach zwischen den beiden Turntables und dem Mixer das
DigiScratch- System eingebunden werden und schon kann man mittels Timecode- Vinylen
Musik auflegen.
Scratch it!
Die Platten sind im Grunde ganz normale Schallplatten, welche an Stelle analoger
Musik ein digitales Signal enthalten. Diese Platten bieten genau das gleiche Feeling,
wie eine herkömmliche Vinyl- Scheibe und wiegen ca. 160 Gramm. Somit ist
das Scratchen gerade angenehmer, da man weniger Kraft aufwenden muss. Diejenigen,
die etwas stärkeres bzw. schweres Vinyl gewohnt sind, müssen sich leider
umgewöhnen. Hier sollte der Hersteller noch nachbessern und zur Option auch
schwere Schallplatten anbieten.
Über die DigiScratch- Software wird die Position der Nadel errechnet. Die
Lauflänge beider Seiten beträgt bei 33 rpm zwölf Minuten, bei 45
rpm neun Minuten. Wird am Turntable von 33 auf 45 rpm umgeschaltet, so muss diese
Umschaltung ebenfalls in der Software vorgenommen werden, da die Software sonst
nicht synchron läuft. Wird ein Track von mehr als zwölf Minuten Spiellänge
wiedergeben, läuft die Nadel in eine Endlosrille und der Titel reißt
nicht ab!
Dabei wird automatisch vom Absolute Mode in den Relative Mode umgeschaltet. Zu
den verschiedenen Modi komme ich weiter unten. Nach der Endlosrille befindet sich
ein weiterer Bereich, der so genannte Trackselektor. Dieses geniale Feld dient
zur Trackauswahl in der Software, ohne die Software selber bedienen zu müssen.
Legt man die Nadel in den Trackselektor- Bereich und bewegt dabei die Platte,
wandert die Songmarkierung in der Playlist der Software auf und ab. Dabei muss
darauf geachtet werden, dass der Plattenspieler nicht läuft. Umso schneller
die Platte bewegt wird, desto schneller bewegt sich auch der Cursor. Befindet
sich die Markierung nun über dem gewünschten Track, hebt man einfach
die Nadel an und setzt diese an den Anfang des Vinyls. Nun startet man den Turntable
und der ausgewählte Track wird mit etwas Verzögerung wiedergeben. Bei
sehr schnellen Rechnern ist die Verzögerung nicht wahrzunehmen.
Beide Seiten sind vom Prinzip her identisch aufgebaut. Die Darstellung unterscheidet
sich jeweils. Während die B- Seite komplett durchgezogen ist, finden sich
auf der A- Seite visuelle Unterteilungen der zwölf Minuten Tracklänge.
Mittels einer Linie im Minutenabstand und einer stärkeren Linie zu Beginn
der fünften Minute werden Marker dargestellt. Diese Marker sind auch in der
dargestellten Waveform enthalten und identisch zu den Markern auf dem Vinyl. Durch
diese Marker hat der DJ die Möglichkeit, die Songposition besser zu beurteilen.
Generell kann DigiScratch auch mit CDs ermöglicht werden. Anstatt spezieller
Schallplatten bekommt man vom Hersteller spezielle CDs geliefert. Hier muss sich
also keiner ausgeschlossen fühlen.
Kommen wir nun zu den Details.
DigiScratch- Konzept
DigiScratch besteht aus der Software, der DigiScratch Box, Cardbus- Karte, zwei
Vinyle und zwei Slipmats. Wer keinen Laptop benutzten will, kann sich selbstverständlich
auch eine PCI- Karte zuschicken lassen.
Die DigiScratch Box und die Cardbus- Karte stammen nicht von Alcatech selber.
Sie wurden von RME gebaut und ist unter der Bezeichnung Hammerfall- System vor
einem Jahr von uns getestet worden. Einzig das Design und an der Rückseite
des Wandlers der fehlende Klinken- Output sind der Unterscheid bei dieser sehr
guten Soundkarte. Ansonsten ist alles gleich gehalten.
Wer nun nicht unbedingt wieder eine neue Karte kaufen will, kann DigiScratch auch
ohne die mitgelieferte Hardware nutzten. Man sollte lediglich darauf achten, dass
die Soundkarte genügend Anschlüsse zur Verfügung stellt und ASIO
2.0 unterstützt.
Wer bis jetzt noch nicht so eine gute Soundkarte hat, sollte aber über Kauf
des kompletten Sets nachdenken. Zum einen gibt’s dann keine Kompatibilitätsprobleme,
da das gesamte System perfekt aufeinander abgestimmt ist. Zum anderen kann man
die Karte auch unter anderer Software, wie zum Beispiel Cubase SX einsetzten.
Dazu muss einfach der Treiber, der per Download von der RME- Homepage zu bekommen
ist, installiert werden und schon kann damit produziert werden. Zwar fehlen professionelle
Anschlüsse, wie XLR oder Klinke. Dafür hat man aber eine sehr gute Aufnahme-
und Abspielqualität und eine Soundkarte, die sehr geringe Latenzen anbietet.
Kommen wir nun zurück zum eigentlichen System.
DigiScratch bietet drei verschiedene Spielmodi an. Diese heißen Absolute
Mode, Relative Mode und Internal Mode:
Beim Absolute Mode wird jeder Zustand der Platte durch die Software verarbeitet.
Aktuelle Positionen auf der Platte, sowie Richtung und Geschwindigkeit werden
beachtet. Damit sind zum Beispiel so genannte "Needledrops", ein Anheben
der Nadel und wieder absetzten der Nadel an anderer Stelle, möglich. DigiScratch
springt bei einem Needledrop an die entsprechende Stelle im digitalen File.
Im Relative Mode werden Richtung und Geschwindigkeit, jedoch nicht die Position,
ausgewertet. Somit haben die eben erwähnten "Needledrops" keinerlei
Effekt. Hebt man die Nadel an und setzt diese an anderer Stelle wieder ab, so
wird dies nicht berücksichtigt und der Track spielt an seiner letzten Stelle
wieder weiter. Dies ist z.B. von Vorteil, wenn gescratcht und nicht gemixt werden
soll.
Im Internal Mode wird der Timecode der Platten völlig ignoriert. Es ist kein
Mixen über die Platten, sondern nur über die Software möglich.
Das Hauptfeld besteht im Wesentlichen aus den beiden Playern, der Track- Ablage
und der Play- Liste. Die beiden Player sind identisch aufgebaut und bestehen aus
Loop- Sektion, Waveform- Anzeige, Detailanzeige, Zeitanzeige, BPM- Anzeige, spektrale
Wellenformdarstellung und den Buttons Load, Record, Tonhöhenkorrektur, Loop
Track und Mode Switch.
Im oberen Bereich der Player befinden sich die Steuerelemente für die sechs
verschiedenen CUE- Punkte und den Loop- Player. Selbstverständlich können
alle CUE- Punkte gespeichert und geladen werden.
DigiScratch- Paket
Der Loop- Player ermöglicht die Eingabe manueller Loop- Punkte und zusätzlich
die Funktion der automatischen Loop- Suche. Hierbei wird über den BPM- Wert
ein Loop automatisch ermittelt. Die Waveform- Anzeige stellt den vollständigen
Track in seiner gesamten Länge dar. Am Beginn und Ende befinden sich rote
Trackmarker. Man zieht bei gedrückter Maustaste nach links oder rechts, um
Start und Ende des Tracks individuell festzulegen. Sollte ein Loop gesetzt sein,
werden Loop- In und Out als grüne Marker angezeigt.
Schmale graue Linien im Absolute Mode zeigen Minutenmarken, identisch zu den Marken
auf der A- Seite der Timecode- Vinyl, an. Die senkrechte rote Linie kennzeichnet
die Position der Nadel. Geht ein Lied dem Ende entgegen, blinkt zehn Sekunden
vor Schluss die Waveform- Anzeige auf. Hier wäre es schön, wenn man
größere Zeitabstände wählen könnte.
Unter der Waveform- Anzeige befindet sich die Detailanzeige, die Interpret, Trackname,
eingestellte Geschwindigkeit, Zeit und Qualität des Timecode- Signals anzeigt.
Darunter hat Alcatech die spektrale Waveform- Darstellung untergebracht. Hier
werden die Beats und die verschiedenen Tonhöhen im Titel grafisch dargestellt.
Der Ausschnitt ist in der Grundeinstellung elf Sekunden lang und kann bei Bedarf
ein- oder ausgezoomt werden.
Links können mittels der beiden Pfeile verschiedene Darstellungsformen des
Ausschnittes eingestellt werden. Zur Auswahl stehen Höhen, Mitten, Tiefen,
einzeln oder überlagert in Orange, Gelb und Grau, sowie überlagerte
Tonhöhen in einem Rot-, Grün- und Blau- Schema.
Player
Zwischen den beiden Playern A und B befindet sich außerdem noch ein Sample-
Player. Mit diesem ist es möglich, schnell und ohne Umstände Samples
oder Jingles mit einer Länge von bis zu zwei Minuten einzuspielen. Dazu hat
der Hersteller ein kleines Bedienfeld mit neun Feldern inklusive Start- und Lade-
Funktion und einem Master- Volume und Pitch- Feld mitgegeben. Klickt man auf eines
der neun Felder ertönt das geladene Sample.
Die Volume- und Pitch- Anzeige beziehen sich hier nur auf den Sample- Editor und
nicht auf die beiden Player. Leider ist es nicht möglich genaue Zahlen einzugeben,
sondern ausschließlich mit der Maus die Steuerung vorzunehmen.
Unter den beiden Playern bietet DigiScratch eine Ablage für die Tracks an.
Diese ist in Interpret, Titel, Album, Version, Genre, Jahr, BPM und Zeit unterteilt.
Weiterhin gibt es noch die Möglichkeit einen Kommentar zu seinen Liedern
zu schreiben und die ID3 Tags zu bearbeiten. Zudem kann man sich seine Anzeige
je nach Bedarf einstellen.
Hat man seine Lieder in diese Ablage geladen, kann man sie in einen der beiden
Player importieren.
Unter der Player- Ablage befindet sich die Playlist. Im Grunde genommen ist dies
nichts anderes, wie die oben beschriebene Player- Ablage. Man lädt hier nur
seine Lieder von der Festplatte.
Wer will, muss die Lieder nicht zuerst in die Player- Ablage laden, sondern kann
seine Lieder direkt aus dem Feld der Playlist laden. Zu empfehlen ist dies aber
nicht generell, da bei neu geladener Playlist somit auch alle zuvor geladenen
Lieder verschwinden. Daher sollte man zuerst seine Playlist laden, die Lieder
dann in die Player- Ablage befördern und von dort die Player mit seinen Songs
füttern. So hat man den Vorteil, dass man während des Mixens schon eine
neue Play- List von der Festplatte laden kann.
Calibration
Oberhalb und unterhalb der Play- List hat der Hersteller noch verschiedene Funktionen
zum Laden, Speichern, Song Analysieren, Optionen Bearbeiten, etc. untergebracht.
Ich will hier nicht genau auf jedes einzelne Detail eingehen. Es sei nur soviel
gesagt, dass Alcatech an wirklich alles gedacht, was gebraucht wird. Einwände
gibt’s hier keine.
Weiterhin erwähnenswert ist der Mixer, der bei Betätigung des entsprechenden
Buttons zum Vorschein kommt. Hier können die Signale von den beiden Playern,
ein zusätzlicher CD- Player, ein Sample- Player, der Master, der Monitor
zum Vorhören, ein Mikrofonsignal, Line- In für jegliche andere Signale,
zum Beispiel zum Sampeln für Musik- Produktionen, und das Record- Signal
kontrolliert werden. Wer will, hat zudem die Möglichkeit sein Live- Set gleich
in wav oder mp3 aufzunehmen und ins Internet zu streamen.
Ein wichtiges Element innerhalb der Software ist das Kalibrierungs- Tool. Da jede
Nadel und jeder Plattenspieler Eigenheiten haben und kein Tonabnehmer- System
einem anderen gleicht, kann es vorkommen, dass das Signal von den Timecode- Platten
nicht sauber zur Software weitergeben wird. Um solchen Problemen vorzubeugen,
gibt es mit der Kalibrierung eine sehr wichtige Funktion zur Feinjustierung. Wer
die Kalibrierung zum ersten Mal durchmacht, wird zwar etwas verwirrt sein. Dafür
kann man sich aber sicher sein, dass es keine Probleme beim Abspielen geben wird.
Daher ist vor jedem Auftritt mit einem neuen Tonabnehmer- System eine Kalibrierung
zu empfehlen.
Kommen wir als allerletztes zum Handling und den dreiwöchigen Erfahrungen,
die ich mit DigiScratch gemacht habe. Zu meiner Verwunderung gab es während
der gesamten Testphase keinerlei Probleme mit meinem Windows- System. Bedingung
ist hier allerdings Service Pack 1, da es sonst zu Abstürzen kommen kann.
Weiterhin sollte man einen relativ neuen Rechner benutzten. Die Systemvoraussetzungen,
die weiter unten beschrieben sind, gehören zwar nicht zu den höchsten.
Wer aber lediglich mit der Minimalkonfiguration arbeitet, hat auf Dauer keinen
Spaß. Wer dagegen einen schnellen Rechner hat, wird mit DigiScratch große
Freude haben. Wichtig ist die eine oder andere Einstellung in XP vorzunehmen.
Mehr Infos bekommt Ihr unter den Faqs von Alcatech.
Front- und Rückansicht
Was will man also noch mehr? Den Anschluss eines dritten Plattenspielers! Hier
sollte in den nächsten Jahren daran gearbeitet werden. Wird dies, oder sogar
noch ein vierter Anschluss, ermöglicht, hat die digitale Revolution ihre
Perfektion fast erreicht. Ein weiteres Manko von DigiScratch und Co. ist der Klang.
Er hört sich einfach zu rein und digital an. Verglichen mit einer echten
Schallplattenaufnahme sind die Unterschiede noch zu deutlich. Im Club steht man
dann manchmal da und bemerkt, dass die gesamte Musik vom Sound her identisch ist.
Die Algorithmen, die das Vinyl- Feeling noch mehr unterstützten, sind aber
fast gänzlich von der CPU abhängig. Daher wird der Unterschied noch
einige Zeit hörbar bleiben. Über mangelnden Support kann man sich aber
nicht beschweren. Ganz im Gegenteil können sich fast alle Hersteller ein
Beispiel nehmen. Alcatech hat es verstanden, den User bestmöglich zu unterstützen.
Sei es im Internet oder bei der deutschen Bedienungsanleitung. Anfänger wie
Profis werden sich hier sehr wohl fühlen.
Die Systemvorrausetzungen lauten: Pentium III 1 GHz, 256 MB RAM, Win XP, Soundkarte
mit ASIO2- Unterstützung, CD- Laufwerk, USB- Anschluss für den Dongle.
Die empfohlene Daten lauten: Pentium IV 2,8 GHz und 1 GB RAM.
Wer im Übrigen selber Hand anlegen will, sollte sich die Demo- Version herunterladen.
Für 10 € inklusive Porto bekommt Ihr die Vinyle zugeschickt.
Fazit Alcatech DigiScratch 2
DigiScratch ist das System der Zukunft! Mit einer UVP von 699,- € für
das komplette Paket und einem Preis von 349,- € für die Software ist
es fast schon preiswert. Vergleicht man andere Konkurrenzsysteme, komme ich zum
Entschluss, dass man bei DigiScratch nichts falsch machen kann.
Man bekommt gut funktionierende Hardware und eine Software, die der Hardware in
nichts nachsteht. Wer Interesse hat, sollte sich die noch nicht so bekannte Firma
Alcatech genauer anschauen. Alcatech
DigiScratch 2 Homepage Text: Kilian Heller
Der Text erschien auf loveparade.net
und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.