Hersteller: Steinberg Produkt: Audio-Bearbeitungsprogramm Preis: 699,- € Released: Mai 2004
Das Audioprogramm Wavelab geht in die fünfte Runde. Es wurde nicht nur
an der Optik, sondern auch noch an einer DVD - Audio - Funktion gearbeitet,
die sich sehen lassen kann. Seht selber, was die Hamburger realisert haben...
Steinberg
Viele kennen es in und auswendig, andere haben noch nie etwas von WaveLab gehört.
Dabei ist WaveLab neben Cubase das bekannteste Produkt aus dem Hause Steinberg.
Die Firma hat 1996 bereits mit der Herstellung von WaveLab begonnen. So ist bei
der fünften Version einiges zu erwarten. Aber bekommt man das, was man denn
so erwartet?
Wavelab 5
Die Antwortet lautet eindeutig: ja. Der nächste logische Schritt nach der
CD, die es bereits seit über 20 Jahren gibt, ist die DVD-Audio.
Mit ihr sind ganz andere Klangdimensionen zu erreichen, als bei der CD. Das allein
belegen ja schon die technischen Daten. Man hört und arbeitet nicht mehr
nur in Stereo, sondern in 5.1. 5.1 heißt die Anordnung zweier Frontboxen,
plus Center-Box, plus Rear-Boxen und Subwoofer. Jeder der eine Home-Cinema-Anlage
mit sechs Boxen Zuhause zu stehen hat, weiß bescheid. Die Hauptunterschiede
sind zudem das Verhältnis von 24 Bit / 96 kHz bei der DVD zu 16 Bit / 44.1
kHz bei der CD.
Steinberg hat nun in der fünften Version von WaveLab die Audio-DVD mit ins
Programm genommen. Bei der Umstellung hat der Hersteller aber darauf geachtet,
dass alle alten User nicht wieder umlernen müssen. Es ist vieles beim Alten
geblieben, sodass man Steinberg in dieser Hinsicht nur gratulieren kann.
Bei der Audio-Hardware hat sich dafür einiges getan. Haben früher normale
Stereo-Soundkarten ausgereicht, muss man natürlich heute die bessere Surround-oder
Audiokarte wählen. Ohne zusätzliche physikalische Anschlüsse für
die sechs Boxen geht’s nicht!
Man muss zudem auch noch beachten, dass die Samplingfrequenz wesentlich höher
als bei der CD ist und nicht jede Soundkarte Werte um 24 Bit / 96 kHz verträgt.
Das heißt für den ambitionierten Toningenieur eventuell ein zusätzlicher
Griff zum Sparbuch, wenn man selber DVDs herstellen will. Bei CDs ist das Problem
natürlich nicht der Fall.
Audiomontage
Wollen wir Euch aber nicht länger auf die Folter spannen und kommen nun zum
Programm selber.
Es gibt zwei verschiedene Arbeitsweisen. Die erste bezieht sich auf das Wave -
Fenster. Hier werden Audiodateien geladen und zudem dem User die Möglichkeit
geboten, das Audio - File zu bearbeiten. Schneiden, Löschen, Normalisieren,
den Pegel verändern, Dynamikbearbeitung, Fades, Phasenumkehrung, Zeit- und
Tonhöhenkorrektur, Pitchbend, Harmonisierung und Chorus sind nur einige Bearbeitungsmöglichkeiten.
Die zweite Möglichkeit der Soundveränderung ist die Audiomontage. Hier
entfaltet das Programm seine Stärken und ist zugleich Bedingung für
die Erstellung von Audio-DVDs. Will man eine CD oder DVD brennen, so muss auch
der Weg über die Audiomontage gewählt werden. Ein weiterer Vorteil der
Audiomontage ist das nondestruktive Arbeiten. Man arbeitet nicht mit den Soundfiles,
sondern nur mit deren Verweisen. Im Bedarfsfall kann somit das ursprüngliche
Material wieder verwendet werden.
Nehmen wir zuerst das Wave Fenster unter die Lupe. Hier wird ein bestimmter Teil
der Audio-Datei gezeigt. Darüber wird einem noch das gesamte File dargestellt.
Praktisch!
Darüber befindet sich dann Platz für die Schnellauswahl von Funktionen.
Hier kann man sich über die Ansichtsanzeige einige Kontrollfenster hinlegen.
Sind einem zum Beispiel die Marker sehr wichtig, kann man sie sich so in das kleine
Auswahlfeld legen. Ein umständliches Suchen entfällt somit.
Ganz oben findet der User die Flächen für Datei, Bearbeiten, Ansicht,
Ausführen, Analyse, Sampling, Werkzeug, Optionen, Fenster und Hilfe. Über
„Datei“ hat Steinberg den Import von den unterschiedlichen Dateiformaten
umgesetzt. Wav., mp3, mp2, ADCP, aif, ALAW, Ensoniq Paris, Ogg Vorbis, Original
Sound Quality, RAW-PCM, Sound Designer 2, SUN/JAVA, ULAW und WMAs stehen dem Tontechniker
zur Verfügung. Zudem schreibt WaveLab in der neusten Version WMA Pro 5.1
und beherrscht auch AVI Audio Import. Wer seine eigene Lieblings - CD oder Audio-DVD
bearbeiten will, hat auch keine Sorgen mehr.
Steinberg hat auch daran gedacht und stellt dem User eine Importfunktion von CDs
und Audio-DVDs zur Verfügung. Sogar das einfache Kopieren einer CD ist möglich.
Effekte, Dithering
An Analyseverfahren hat der Hersteller auch nicht gespart: 3D-Frequenz-Analyse,
Pegelanzeige, Phasenkorrelation-Messgerät, eine 60-bändige Spektrum-Anzeige,
eine Spektral-Analyse, Bit-Anzeige und ein Oszilloskop sind ebenfalls wieder nur
ein kleiner Teil der Bearbeitungsmöglichkeiten. Die globale Analyse bietet
zudem auch noch Möglichkeiten, sich Peaks, Tonhöhe, Lautstärke
und den DC-Versatz zu zeigen.
Ganz rechts hat Steinberg ein großes Fenster platziert, das Auskunft über
die verwendeten Effekte, den Pegel, und die Dithering-Funktion gibt. Die Effekte
können ganz einfach ausgewählt werden. Steinberg liefert zu den verwendbaren
VST- und Direct X-Plug - Ins gleich ein paar mit. EQ, Puncher, Chorus, Echo, Noise
Gate, Auto Pan, Denoiser, Spectralizer und Autopan sind nur einige und überzeugen
in gewohnt guter Steinberg-Qualität. Zudem gibt es auch noch die Möglichkeit,
VST-Plug-Ins anderer Hersteller zu laden.
Weiterhin hat Steinberg ganz unten im Fenster die Render-Funktion untergebracht.
Will man ein Plug-In nicht nur hören, sondern auch in die Datei endgültig
verschmelzen, so muss hier die Auswahl getroffen werden. Geschickt hat sich Steinberg
bei der Pegelanzeige angestellt. Hier gibt es die Möglichkeit, den Pegel
von beiden Kanälen so einzustellen, wie man es selber will. Droht einem das
Pegelclipping, also der Ausschlag über die 0 dB-Grenze, so wird dies in gelber
Farbe gekennzeichnet. Weiterhin wird einem der höchst auftretende Pegel für
beide Kanäle separat dargestellt. Die Unlink-Funktion sorgt dafür, dass
der rechte und der linke Kanal getrennt verändert werden können.
Warum aber das Eintippen des maximal verwendeten Pegels nicht möglich ist,
können wir auch nicht erklären. Will man nämlich den Pegel selber
einstellen und dann wieder auf den zu vorigen Wert wechseln, so beliebt einem
das mühselige Einstellen über die Maus nicht erspart. Hier kann aber
der Hersteller beim nächsten Update nachliefern.
Will man mit dem Erstellen einer DVD - Audio „richtig“ anfangen, so
kommt man nicht um die Audiomontage herum. Allein das CD-Brennen verlangt das
schon. Da stellt sich WaveLab nicht so simpel an, wie man es von speziellen Brennprogrammen
eventuell gewohnt ist.
Als Neuling wird man sich gut umschauen müssen. Hat man aber erst einmal
den Dreh raus, dann läuft’s recht flott von der Hand.
Neben den Möglichkeiten, eine CD-Audiomontage zu erstellen, gibt es noch
die Möglichkeit mit der DVD-Audio. Wir können gleich vorweg nehmen,
dass sich Audio-Freaks hier sehr wohl fühlen werden. An den gesamten DVD-Audio-Standard,
wie der 5.1 - Ton, die zusätzliche Video-Sektion und die Texteingabe, hat
Steinberg gedacht. Sehr interessant war für uns natürlich die Möglichkeit,
ein Video genau dort zu platzieren, wo man es haben will. Die Spuren werden oben
angeordnet und ganz unten kann man dann auch noch bequem seinen DVD-Text verewigen.
Weiterhin gut gelöst ist die Routing-Funktion. Man kann jedem Kanal einzeln
zuweisen, welche Box er anzusprechen hat. Sehr schön! Der Aufbau ist zudem
logisch durchdacht.
Wave-Darstellung
Zu den Audio bzw. Videospuren hat der User die Möglichkeit eine Vorauswahl
von Steinberg zu benutzen, die „Bearbeiten, Zoom, Clips, Gruppen, Dateien,
Marker, Video, DVD-A, Verlauf, Snapshot und Notizen beinhaltet. Wie man es von
einem Profiprogramm gewohnt ist, werden hier alle Bearbeitungsschritte, der Verlauf,
eine Notizmöglichkeit und vieles mehr angeboten.
Ein weiterer großer Pluspunkt der Audiomontage ist die magnetische Einrastfunktion
für Audio-Parts bei CD und DVD. Bei eingeschalter Funktion muss man sich
um das genaue Setzten nämlich nicht mehr kümmern. Weiß man, welche
Parts zusammengefügt werden sollen, ist die Audiomontage eine sehr große
Hilfe und erspart viel Zeit.
Master-Anzeige
Bei der Pegel bzw. Spektrum-Anzeige haben die Entwickler auch weitergedacht. Nicht
nur der Gesamtmix wird analytisiert und angezeigt. Jeder Kanal hat nun seine eigene
Anzeige und kann somit besser bewertet werden. Weiterhin werden bei Verwendung
von unterschiedlichen Datei-Formaten die Audio-Files farblich gekennzeichnet.
Wav-Dateien sind zum Beispiel blau, mp3s gelb gefärbt. Gefällt einem
die Auswahl der Farbe nicht, kann jeder selbst seine Wunschfarben benutzen.
Eine recht weit verbreitete Entwicklung neben der CD ist übrigens Microsofts
selbst entwickeltes WMA-Format. Dabei ist WMA selbst kein Medium, sondern ein
Format von Microsoft, das von jedem Windows-Media-Player abgespielt werden kann.
Eine relativ neue Abstammung des WMA-Formats ist WMA 5.1 und 7.1.
Steinberg bietet bei WaveLab 5 nun für die komplexen Audiomontagen neben
DVD -Audio als Ausgabeformat auch den WMA - Export in 5.1 oder 7.1. an und unterstützt
somit das Mischen von bis zu acht Kanälen.
Ein weiter großer Pluspunkt ist auch die unendliche Undo-Funktion und die
Hilfe. Die Undo-Funktion bietet dem Benutzer die Möglichkeit unendliche Male
die letzte oder vorletzte oder vorvorletzte usw. Veränderung rückgängig
zu machen.
Bei der Programm-Hilfe und der Bedienungsanleitung hat der Hersteller nicht geknausert.
Es werden alle Funktion erklärt und darüber hinaus sogar Zusatzerläuterungen
mitgeliefert. Sollte man dann auch noch Fragen haben, so kann man das WaveLab-Forum
oder den Support nutzen. Als registrierter Benutzer kommt die Antwort schnell
zurück und hilft auch weiter. Eine Standardantwort muss man nicht fürchten.
Fazit Steinberg Wavelab 5
Wir haben Euch hier aus Platzgründen einen kleinen Überblick über
die Funktionen von WaveLab 5 gegeben. Die neuen Möglichkeiten überzeugen
und die alten sowieso. Die Hamburger Firma hat hier ein Programm weiterentwickelt,
das bei den Toningenieuren in aller Welt sehr beliebt ist. Es hat ein gutes Preisleistungsverhältnis
und ist bei Verständnis ein einfach zu handhabendes Programm, das seine Zwecke
vollkommen erfüllt.
Der unerfahrene Benutzer wird am Anfang etwas länger ins Handbuch schauen
müssen, wird dann aber das Programm lieben. Negative Eigenschaften konnten
wir nicht feststellen und so können wir jedem Toninteressierten nur zu diesem
Programm raten.
WaveLab 5 ist seit Juni 2004 in zwei unterschiedlichen Versionen verfügbar.
Die normale und WaveLab Essential, dass mit weniger Funktionen kommt, dafür
aber weitaus günstiger ist. WaveLab 5 kostet 699,- €, WaveLab Essential
229,- €.
Die PC-Empfehlung sind: P4 2000 MHz, 512 MB RAM, Windows 2000/XP, 10 GB HDD für
DVD - Audio, Installation von DirectX 9, ASIO-kompatible Soundkarte mit bis zu
acht Ausgängen, wenn man mit Surround arbeiten will. Macintosh-Benutzer müssen
leider in die Röhre gucken, da Steinberg nur die PC-Version anbietet.
Dass die Hamburger Entwickler nicht müde werden, haben wir mit diesem Testbericht
gesehen. Was demnächst so ansteht, macht neugierig. Wer seine Neugierde befriedigen
will, der muss demnächst wieder auf unsere Seiten schauen. Cubase SX 2.2
und die neuste Version des Software-Samplers HALion werden demnächst
hier vorgestellt. Steinberg
Wavelab 5 Homepage Text: Kilian Heller
Der Text erschien auf loveparade.net
und wurde future-music.net freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.